Reiseberichte aus Italien

Gastbeitrag: Umbrien spontan entdecken – sanfte Heimreise

Die schönsten Urlaubserlebnisse beschert einem der Zufall. Auf dem Weg retour von Capri und Amalfi hatten mein Lebenspartner und ich uns im Juli 2020 mehr Zeit eingeplant und ein spontaner, ungeplanter Abstecher an den südlichsten Zipfel der Toskana sollte uns belohnen. An der Grenze zu Umbrien liegen viele Seen und schöne Weingüter. Wie wir auf einem Roadtrip Traum Gegenden weit ab vom Tourismus entdeckten.

Kurz vor Umbrien – Cortona in der Toskana

Bis auf die Grillen im alten Garten ist alles still. Ein warmer Abend, sanfter Wind in meinen Haaren und ein sternenklarer Himmel über Cortona. Ich sitze mit geschlossenen Augen auf einer alten Schaukel, die an einem kräftigen Ast eines Olivenbaums hängt und schwinge gedankenverloren und genüsslich ganz sanft hin und her. Das Gras ist feucht vom Rasensprenger und in den Hecken zirpt ein Vogel schon sehr schläfrig vor sich hin.

Blick von Cortona auf die Ebene bis zum Lago Trasimeno
Blick von Cortona auf die Ebene bis zum Lago Trasimeno

Von der Küche weht der Geruch von Knoblauch, Rosmarin, Thymian und Fisch. Leises Teller Klappern unterbricht meine fast meditative Ruhe unter dem schönen Olivenbaum.

Bald gibt es Abendessen im Weingut und ich freue mich schon auf toskanische Schmankerln und feinen Wein. Das ist für mich Toskana.

Cortona ist ein kleiner Ort umringt von Weinbergen und alten Gütern. Versteckt hinter Olivenhainen und Zypressen blitzen alte Schlösser, Burgen und Gehöfte hervor. Vor mir liegt die Ebene, im Rücken die Berge.

Corte dei Papi Weingut Garten
Corte dei Papi Weingut Garten

Sanfte Heimkehr über Umbrien

Würzige Gerüche, italienische Gesprächsfetzen, Landschaften von rostig rot bis korngelb, die sich zwischen grünen Weinbergen und silbernen Olivenhainen genüsslich lang machen. Kleine mittelalterliche Städtchen auf vorwitzigen Bergkuppen, kurvige Landstraßen, gesäumt von Zypressen, vorbei an majestätischen Weingütern mit schmiedeeisernen und reich verzierten Toren. Dazwischen kleine Weiher die das Sonnenlicht auf ihren Wellen brechen.

Kaum zu glauben, dass ich das auf dem Rückweg unserer spektakulären Roadtrips von Wien über Siena nach Amalfi und Capri erlebe. Normalerweise verläuft eine Rückreise nicht so chillig. Man wirft alles ins Auto und braust, am besten über Nacht, retour in die Heimat um dann im Morgengrauen, leicht gerädert die schweren Koffer ins Haus zu tragen.

Nein. Diesesmal haben wir uns für eine sanfte Heimkehr entschieden. Bewusst hatten wir einige Tage mehr für unseren Roadtrip kalkuliert und am Ende des durchgeplanten und getimten Urlaubs blieb noch Zeit für wahres Vagabunden Dasein.

So kam es, dass ich, neugierig auf die bläulichen Flecken auf Google Maps welche Seen markieren, von der Amalfiküste spontan ins Landesinnere abbog und uns via Tripadvisor eine schöne Unterkunft in Cortona suchte. Eine Fahrt ins Blaue. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Wie hypnotisiert hatte ich auf die Map gesehen und gemeint: “Hör mal Peter, Meer hatten wir genug. Ich will wissen, was das für Seen sind”.

Lago Trasimeno – Grenze zu Umbrien

Der größte See in dieser Region ist der Lago Trasimeno.  Er liegt genau an der Grenze zwischen der Toskana und Umbrien und ist, wie viele Seen in dieser Region, vulkanischen Ursprungs. Ein vollgelaufener Krater sozusagen. Um diese Gegend herum hat es viele schöne und alte Weingüter, bewaldete Nationalparks, Wanderwege, pittoreske Städtchen auf den Hügeln über der fruchtbaren Ebene, die sich von Arezzo bis zum Ufer des Lago Trasimeno erstreckt. Rund herum findet man die klingenden Namen, wie Baldetti, Leuta oder Cantagallo. Alles schöne Weingüter und noch schönere Weine.

Lago Trasimeno Landschaft
Lago Trasimeno Landschaft

Auch nicht weit von Cortona ist Montepulciano, dessen historische Altstadt so typisch toskanisch ist. Zu Zeiten von Covid eher ruhig und gelassen thront die historische Stadt auf ihrem Berg.

Hier hat es viele Trattorien, Weinhändler und Kunst. Wir bummeln durch die Gassen, haben ein wunderbares Mittagessen und können uns fast nicht mehr losreißen.

Aber es hat noch so viele kleine und schöne Orte, so ganz weit weg vom Tourismus und den Massen, die ich mir gerne ansehen mag.

Umbriens Küche – schlicht aber mit Geschmack

Die Menschen hier sind etwas verhaltener, als man das von Florenz oder Siena kennt. Dafür aber irgendwie weniger berechnend, wie in den Touristenhochburgen. Preis ist hier Preis und keine Phantasie-Margen für Touristen. Wein einkaufen auf den Weingütern macht richtig Laune. Ein bisschen Italienisch ist hilfreich, aber kein Muß.

Lago Trasimeno von San Savino aus
Lago Trasimeno von San Savino aus

Die Lokale haben diese charmante Küche. Sie wirkt einfach und banal – bis man den ersten Biß zwischen den Kiefern hat. Da zeigt sich dann die Raffinesse der lokalen Küche. Dabei bleibt der Preis angemessen und fair. Ein Grappa für ein herzliches Lob ist obligo und das etwas zurückhaltende Gebaren verfliegt, wenn man sich über die Gegend unterhält. Während der Corona Krise sehen wir nur selten andere Touristen. Ich beobachte authentische, italienische Familien an den Tischen und bestelle genau das, was sie auch auf den Tellern haben.

Wein Einkaufen in der Toskana

So kommt es, dass wir, von Kellnern und Marktfrauen beraten, das eine oder andere Landgut besuchen und dort Wein kaufen, den es so vielleicht bei den deutschen oder österreichischen Weinhändlern gar nicht gibt. Zu gering ist die Menge für einen lohnenden Export. Unser Kofferraum füllt sich merklich.

Als mir Margareta noch eine Kiste verkaufen will, winke ich ab. “Ich brauche noch Platz für den Koffer!”. Sie lacht und meint: “Wir können dir den Wein auch nachschicken. Oder Deinen Koffer. Der ist doch sowieso nur voller gebrauchter Wäsche. Lass ihn da und nehme lieber mehr Wein!” Dabei lacht sie schelmisch.

Auf meine Frage, ob es denn wegen Covid-19 aktuell so ruhig ist, erfahre ich mehr.

Üblicherweise ist diese Gegend das “Kärnten von Italien”. Viele italienische Familien machen im August hier gerne Ferien. Oft kommt die eigene Familie aus der Gegend und man besucht sich.

Gasse in Monte del Lago
Gasse in Monte del Lago

Rund um den See gibt es einige großzügige Campingplätze. Aber bis auf wenige Deutsche, Niederländer, Franzosen und Österreicher mit Camping Fokus ist auch hier im August eher alles in Italienischer Hand. Dabei mag man die Deutschen sehr, wie mir versichert wird. Doch die Gegend ist einfach weitab von den Tourismuszentren. Verrückt. So ein schöner See.

Darum dachte ich, diese Information möchte ich gerne mit euch teilen. Aber nicht nur für Camper ist die Gegend toll. Die Hotels und Ferienwohnungen sind im Preis/Leistungsverhältnis fair. Wer gerne in der Natur Rad fährt, im See baden mag, Wanderungen liebt, sollte sich diese Gegend unbedingt ansehen.

Ein Tag am Lago Trasimeno

Wir fahren am nächsten Tag an den See, umrunden und erkunden ihn. So gerne wäre ich auf die Insel Polvese gelangt. Leider war wegen Covid der Fährverkehr sehr eingeschränkt und auch das Hotel reagierte nicht auf meine Anfrage. Erst im August sollte die Villa Polvese aufwachen und mir schreiben. Schade. Ich wäre gerne dort – mitten auf dem See –  noch eine Nacht geblieben. Dort hat es übrigens auch eine günstige Jugendherberge. Die verwunschene Insel birgt viel Geschichte, Natur und hat wunderschöne Seeufer zum baden.

Blick von Monte de Lago Trasimeno
Blick von Monte de Lago Trasimeno

Dieser See ist kein touristischer See. Der Großteil der Ufer grenzt direkt an Felder oder Gehöfte. Einige öffentliche Bäder locken zum baden. Gepflegte Campingplätze gibt es auch am Ufer.

Kleine Gasthäuser mit Stegen auf den See, sind ganz versteckt. Wer sie findet genießt gute Küche. Am Horizont fährt eine der wenigen Fähren die Insel Maggiore an.

Umbrien entdecken – San Savino am Trasimeno

Pittoreskes Städtchen, ganz still in der Mittagszeit. Leere Gassen – hinter den gekippten Fenstern hört man leise Radio, Kinder lachen und den Fernseher. Gardinen werden vorsichtig verschoben. Dahinter Silhouetten. Man will uns besser sehen, ohne gesehen zu werden. Ich spüre beim Gehen über die Piazza Blicke auf meinem Rücken.

Hier ist man Touristen offensichtlich nicht gewohnt. Ein kleiner, struppiger Hund knurrt mich mutig an, während ich eine gelassene Katze auf einem Mauervorsprung hinter den Ohren kraule. Peter macht noch ein paar Fotos von den Gassen und den alten Gemäuern. Ich bewundere indessen die schönen Blumenkästen, Pflanzen Bottiche und Hängeampeln die an den Eingängen der alten Häuser liebevoll drapiert wurden.

“Sie haben schöne Blumen!” rufe ich plötzlich laut, in miesem italienisch und winke einem Schatten hinter dem Vorhang. Dieser wird ruckartig zurück geschoben und das Fenster öffnet sich. Eine ältere Dame winkt erfreut zu mir hinunter. Sie redet schnell und mit Akzent. Ich verstehe nur die Hälfte.

So muss Italien. Weit weg von den touristischen Massen.

Abends sitzen wir am Ufer. Wir lassen die Füße in den See baumeln und betrachten die blinkenden Lichter der Orte, entlang des Sees. Wir haben wohl ein kleines Paradies entdeckt.

“Ich möchte hier nochmal hin.”, meine ich zu Peter. Der nickt und nimmt mich in den Arm. Und da weiss ich es. Wir kommen 2021 sicher wieder.

Über die Verfasserin: Marion Rotter, gelernte Journalistin aus Wien, arbeitete mehrere Dekaden in der IT. Nach einem beruflichen Umdenken, Anfang 50, entdeckte sie ihre Liebe für das Schreiben wieder. Sie textet regelmäßig für Tageszeitungen und Magazine. Auf ihrem eigenen Lifestyle Magazin findest du aktuell weitere schöne Reiseberichte über ihren Roadtrip 2020 von Wien bis nach Capri und viele weitere, spannende Destinationen die Dir garantiert Fernweh bereiten.

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4 Kommentare

  1. Liebe Marion,
    Hihi, ich glaube, dass ich auch ganz viel Wein eingepackt hätte, das klingt ja aber auch zu verlockend. Ich finde es toll und auch inspirierend, wie ihr die Heimreise genutzt habt. Ich bin auch eher derjenige, der schnell nach Hause fährt, aber so ein entschleunigter Urlaubs-Ausklang klingt eigentlich perfekt. Sollte man viel öfter machen.
    LG von Miriam von Nordkap nach Südkap

  2. Sehr schön geschrieben, man kann sich das gut Vorstellen und hat das Gefühl, das man dabei ist.
    Dann die schönen Bilder, da möchte man gleich in den Urlaub und alles Erkunden. Ich liebe das Spazieren gehen durch diese Gassen.
    Danke für die Einblicke.
    Liebe Grüße
    Julia

  3. Ein toller Bericht und ein echter Geheimtipp! Ich liebe Urlaub abseits der großen Tourstenmassen. Und einheimische Touristen sind in der Regel weniger anstrengend. Soe wie es da aussieht, würde ich vermutlich zwei Festplatten voller Fotos mitbringen. Einfach herrlich! Und eigentlich eine gute Idee, auf die Teller der einheimischen zu zeigen und das gleiche zu bestellen! 🙂

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