Reiseberichte aus Ecuador

Mit dem Zug zur Teufelsnase | Nariz del Diablo in Ecuador

Bevor ich in ein paar Tagen in mein Urwaldabenteuer in der Sacha Lodge starten werde, stand heute noch ein völlig anderes Programm auf dem Plan. Ich habe die berühmte Zugfahrt zur Teufelsnase gemacht, ab dem kleinen Örtchen Alausí fährt Tren Ecuador zur Station  Sibambe am Fuß der Teufelsnase „Nariz del Diablo“. Diese nur 6 km lange Bahnstrecke ist einerseits für die markante und Namensgebende Felsformation „Nariz del Diablo“ bekannt und andererseits für die grandiose Ingenieursleistung beim Bau der Gleise. Während Alausí auf 2360 Metern über dem Meeresspiegel liegt, sind es bei Simbambe nur noch 1306 Meter. Um diesen Höhenunterschied zu bewältigen, wurden in die steile Felswand der Teufelsnase zwei Spitzkehren geschlagen und haben der Strecke den Ruf eingebracht, eine der spektakulärsten der Welt zu sein.

Lokführer der Tren Ecuador in Alausí
Lokführer der Tren Ecuador in Alausí

Zwei mal pfeift der Lokführer, dann setzt sich der Zug mit den hölzernen Waggons ruckelnd in Bewegung. Die Lehnen der alten sitze lassen sich klappen, so kann man sowohl bei der Hin- als auch bei der Rückfahrt in Fahrtrichtung sitzen und die grandiose Landschaft genießen. 30 Minuten dauert die Fahrt, zu Beginn erzählt der Schaffner einige Details zu Bahnstrecke, Bau und Zug. Anschließend hört man nur noch das rattern des Zuges und das Klicken der Kameras der Touristen. Man hört im Abteil Sprachen aus allen erdenklichen Erdteilen.

hölzerner Waggon der Tren Ecuador
hölzerner Waggon der Tren Ecuador

Nach wenigen Minuten wird der Zug bereits langsamer, wir haben die erste der Spitzkehren erreicht. Der Zug hält kurz und setzt sich dann in entgegengesetzter Fahrtrichtung wieder in Bewegung. Neben dem Logführer ist noch ein Assistent und der Bremser „frenero“ (wahrscheinlich der wichtigste Mitarbeiter auf den steilen Stücken) an Board, damit bei den steilen Fahrten alles einwandfrei klappt. Gerade bei Regen oder im Winter sind Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefragt.

Spitzkehre an der Teufelsnase
Spitzkehre an der Teufelsnase

Der Blick durch das unter uns liegende Tal mit dem Rio Chanchán und den steilen Berghängen ist spektakulär. Bei der Abfahrt in Alausí empfiehlt es sich, zur besseren Sicht in Fahrtrichtung rechts zu sitzen. Sollte das nicht klappen weil der Zug gut gebucht ist, dann eben auf der Rückfahrt.

Fahrt zur Teufelsnase - Blick über den Rio Chanchán
Fahrt zur Teufelsnase – Blick über den Rio Chanchán

Angekommen in der Endstation stehen gute 2 Stunden zur freien Verfügung. Es gibt ein kleines (kostenloses) Museum zum Bahnbau, einen kleinen (sehr touristischen) Markt mit Handarbeiten aus der Umgebung, ein nettes Restaurant und zahllose kleine Pfade und Fotomotive zur Verfügung. Für mich klangen 2 Stunden nach extrem lang, Sie waren dann jedoch ausgesprochen kurz.

Die Spitzkehren an der Teufelsnase
Die Spitzkehren an der Teufelsnase

An der Endstation hat man einen guten Blick auf die in die Felswand geschlagenen Spitzkehren an der Teufelsnase. Wer mag kann auch tolle Bilder schießen, auf den sowohl die Bahn, als auch die Teufelsnase zu sehen ist. Man könnte fast meinen, beim Bau der Bahn wurde an die Touristen in den kommenden Jahrzehnten gedacht…

Tren Ecuador vor der Teufelsnase Nariz del Diablo
Tren Ecuador vor der Teufelsnase Nariz del Diablo

Nach einem kühlen Bier im Restaurant und einem erfrischenden Eis pfiff der Lokführer auch schon die letzten 30 Minuten an. Wir machten uns auf den Rückweg Richtung Bahnstation und wurden dort von einer Tanztruppe verabschiedet. Kann man sich ansehen, muss man aber nicht. Wie auch der Fahrpreis von 25,- USD (der für viele Einheimische unbezahlbar ist) zeigen solche Einlagen, das die Zielgruppe ausländische Touristen sind.

Tänzer in Sibambe
Tänzer in Sibambe

Die Bahnfahrt zur Teufelsnase „Nariz del Diablo“ ist definitiv ein Erlebnis, die Landschaft ist beeindruckend. Jedoch sollte man sich von der „steilen Bahnstrecke“ nicht mit falschen Erwartungen locken lassen. Die Bahn ist mit einer Steigung von ca. 6% um etwa 50% steiler als die in Deutschland fahrenden Züge, die ca. 4% bewältigen. Das ist ganz erheblich! Verglichen mit den steilen Berghängen und Strassen in den Anden, liegen die Bahngleise jedoch ziemlich flach.

Lama in Ecuador
Lama in Ecuador

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