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Puerto Nariño – das vielleicht entspannteste Städtchen am Amazonas

Ziemlich genau mittig zwischen Quelle und Mündung des gewaltigen Amazonas (genau genommen am Nebenarm Rio Loretoyacu) liegt liegt das kleine Dorf Puerto Nariño. In beide Richtungen sind es ca. 3500 Kilometer. Die nächste größere Stadt ist Leticia, ca. 70 Kilometer oder 2-3 Stunden im Motorboot flussabwärts. Bis Peru sind es nur wenige Minuten Im Boot zur anderen Uferseite. Zwischen Trockenzeit und Regenzeit hat der Amazonas hier einen Höhenunterschied von ca. 12-14 Metern. Der Steg am Hafen von Puerto Nariño führt das eindrucksvoll vor.

Der Bootssteg von Puerto Nariño - Wasserstand bei ca. 50%

Der Bootssteg von Puerto Nariño – Wasserstand bei ca. 50%

Nur gut 2000 Menschen, überwiegend vom Volk der Tikuna leben hier. Ihre farbenfrohen Hütten sind einfach, jedoch sehr gepflegt. Die betonierten Wege im Schachbrettmuster sind sauber.  Überall stehen hellblaue Mülltonnen rum und die Vorgärten sind voll mit bunten Blumen.

Bilder von einem Rundgang durch Puerto Nariño

Bummelt man durch den kleinen Ort, so stellt man schnell fest, das hier wirklich jeder ein freundliches Lächeln, ein „Hola“ oder „Buenos Dias“ für uns Touristen übrig hat. Man merkt, das die Gemeinschaft mit sich zufrieden ist. Es gibt keinen großen Reichtum, allerdings auch keine Armut. Die eigenen Gärten, der Regenwald und der Amazonas liefern alles, was man zum Leben benötigt.

Frischer Fisch – aus dem Fluß auf den Teller

Am frühen Morgen fahren die Fischer von Puerto Nariño mit ihren traditionellen Einbäumen raus auf den Fluß und kommen am Vormittag zurück zum „Hafen“. Hier wird der Fang des Tages direkt aus den Booten verkauft.

Die Bezirksverwaltung hat vor einigen Jahren einen „Fischmarkt“ in Puerto Nariño errichten lassen. Kleine geflieste Nischen und frisches Wasser sollten für mehr Hygiene sorgen. Dieses neumodische Konzept fand jedoch keinen Anklang und der Fisch wird weiterhin direkt aus den Booten verkauft.

Die Vielfalt die die Fischer aus dem Wasser ziehen ist absolut beeindruckend. Piranhas und Schilderwelse waren die einzigen beiden Sorten, die man auch bei uns kennt. Im größten Fluß der Erde lebt auch einer der größten Süßwasserfische der Erde, der Pirarucu, Paiche oder Arapaima. Der Fisch kann über 2 Meter lang und 130 kg schwer werden. Sowohl von der Textur als auch vom Geschmack ist das Fleisch absolut mit Hühnchen vergleichbar.

Noch viel interessanter als die schiere Länge des Amazonas ist in meinen Augen das praktisch nicht vorhandene Gefälle. Wobei man von selbigem kaum sprechen darf. Puerto Nariño liegt auf 40 M ü. NN. 40 Meter sind 40.000 Millimeter. Pro Kilometer hat der Amazonas also nur ca. 11cm Gefälle.

Kein WI-FI und keine Autos in Puerto Nariño

In den abgeschiedenen Regionen im Regenwald läuft vielen anders, als wir es gewohnt sind. Nicht besser, jedoch auch nicht schlechter, nur anders. In Puerto Nariño gibt es beispielsweise keine Autos und auch keinen Internetzugang in den Häusern. Beides macht, bei näherer Betrachtung, Sinn.

Wofür benötigt man in einem kleinen Dorf im Regenwald Autos? Die schmalen Wege im Dorf enden wenige Meter außerhalb oder werden zu schlammigen Trampelpfaden wo kein motorisiertes Fahrzeug durchkommt. Selbst die Einwohner vom Stamm der Tikuna, die hier seit Generationen leben, sind nur in Gummistiefeln unterwegs. Die kurzen Distanzen im Dorf kann man ganz problemlos zu Fuß oder mit einem kleinen Karren zurücklegen.

Schlammige Pfade außerhalb von Puerto Nariño

Schlammige Pfade außerhalb von Puerto Nariño

Als Tourist ist man in Puerto Nariño doppelt überrascht. Nachdem man von Leticia aus kommend über 70 km im Funkloch unterwegs war, hat das Handy plötzlich wieder vollen Empfang. Der Provider „Claro“ sorgt selbst in diesen abgelegenen Ecken für eine hervorragende Infrastruktur. Ohne kolumbianische SIM-Karte ist man dennoch nahezu aufgeschmissen. Weder im „Weira Selva“, dem einzigen Hotel im Ort, noch in den Restaurants, Bars oder Gästehäusern gibt es WI-FI.

Es gibt hier im Ort schlicht keine Festnetzanschlüsse. Man könnte das Problem mit mobilen WI-FI-Routern lösen, sofern es ein Problem wäre. Es ist jedoch kein Problem. Sofern hier im Urwald ein Internetzugang benötigt wird, wird eben das Handy eingesetzt.

Das Rathaus von Puerto Nariño

Das Rathaus von Puerto Nariño

Für die wenigen ausländischen Touristen im Ort gibt es jedoch auch eine Lösung. Jeden Abend um 21:00 Uhr eröffnet vor dem Rathaus von Puerto Nariño ein öffentlicher Hotspot. Hier treffen sich dann sowohl Einheimische als auch Touristen aus aller Welt, und versorgen sich mit Blick auf den Amazonas mit Neuigkeiten. Hier ist ein soziales Netzwerk wirklich noch ein soziales Netzwerk!

Touren uns Ausflüge in und um Puerto Nariño

Mitten im Urwald bieten sich natürlich unzählige Touren und Ausflüge an. Auch an Aktivitäten im Dorf mangelt es nicht. Die gängigsten sind sicherlich Wanderungen im Urwald und Bootsfahrten auf dem Amazonas mit dem Ziel, die grauen und pinken Flussdelfine zu sehen. Auch ist es möglich in die Kultur der indigenen Bevölkerung etwas tiefer einzutauchen und Dörfer der Tikuna zu besuchen.

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