Reiseberichte aus Ecuador

Refugio Whymper am Chimborazo | auf dem höchsten Berg der Welt

Chimborazo? Höchster Berg der Welt? Bestiegen? Ja und nein. Doch alles der Reihe nach. Mit einer Höhe von 6310 Metern (bzw nach neuen Messungen nur 6267 Metern) über dem Meeresspiegel ist der Chimborazo Vulkan deutlich niedriger als beispielsweise der Aconcagua (6962 Meter) oder der Mount Everest (8848 Meter). Jedoch ist die Erde keine perfekte Kugel, sondern ein so genannter Rotationsellipsoid. Auf Grund der Fliehkraft ist der Durchmesser am Äquator etwas größer, als von Pol zu Pol gesehen, somit ist die Erde praktisch eine etwas „platt gedrückte Kugel“. Der Chimborazo hat nun von allen hohen Bergen das große Glück, unmittelbar am Äquator zu stehen. Betrachtet man nun die Gipfelhöhe zum Erdmittelpunkt, so ist der Chimborazo ca. 2 Kilometer höher als der Mount Everest. Damit hätten wir die ersten beiden Punkte abgehakt!

Blick auf den wolkenverhangenen Chimborazo
Blick auf den wolkenverhangenen Chimborazo

Meine Besteigung vom Chimborazo war (mangels Zeit (und vermutlich auch mangels Training)) eine Touri-Besteigung. Wir sind in den Nationalpark Chimborazo reingefahren und nach einigen Kilometern durch Aschewüste vom letzten Ausbruch, auf 4800 Metern an der Carrel-Hütte angekommen. Ihr glaubt gar nicht, wie die Leistung beim Auto auf dieser Höhe nachlässt.

Als wir auf 4800 Metern ausgestiegen sind merkte ich, das nicht nur die Leistung des Autos nachlässt, auch der menschliche Körper ist ohne Akklimatisierung nicht wirklich an 4800 Meter gewöhnt! Vom Guide bekamen wir jedoch die Info, das „nur“ 200 Höhenmeter weiter eine Hütte (Whymper-Hütte, benannt nach dem britischen Erstbesteiger Edward Whymper) steht und man sich dort einen Stempel für den Reisepass abholen kann. Nun ja, wir hatten laut unserem Guide 30 Minuten Zeit, der Weg sah gut aus und wir waren motiviert…

Grabsteine am Chimborazo
Grabsteine am Chimborazo

Direkt hinter der Carrel-Hütte gingen wir erstmal an einer Ansammlung von Grabsteinen / Gedenktafeln der Personen vorbei, die bei der Besteigung des Chimborazo ums Leben gekommen sind. Da wird man dann doch einmal kurz nachdenklich und sich der Gefahr noch besser bewusst. Besonders wenn man sieht, das eine der jüngsten Tafeln auf das Jahr 2014 datiert ist.

Pfad zur Hütte Refugio Whymper am Chimborazo
Pfad zur Hütte Refugio Whymper am Chimborazo

Der Pfad zur Whymper-Hütte war zwar schneebedeckt, jedoch weder sonderlich steil noch glatt. Die Bewölkung klarte immer wieder auf, und wir konnten sowohl den Gipfel als auch die Hütte sehen. Da wir für den Weg rauf und zurück von unserem Guide nur 30 Minuten Zeit bekommen hatten, legten wir ein flottes Tempo an den Tag. Zu viert gestartet waren wir nach wenigen Metern nur noch zu dritt und nach ca. 100 Höhenmetern noch zu zweit. So sind wir dann auch stolz oben angekommen.

Refugio Whymper am Chimborazo | 5000 Meter
Refugio Whymper am Chimborazo | 5000 Meter

Etwas frustriert durften wir dann jedoch feststellen, das die Hütte geschlossen hatte. Wir waren außerhalb der Saison und dazu noch recht spät am Tag. In der Carrel-Hütte wurden unsere Anstrengungen dann aber doch noch mit einem Stempel belohnt. Zusätzlich gab es hier auch einen heißen Kakao zur Stärkung.

Ich kann diese Wanderung (es ist keine wirkliche Besteigung) jedem nur wärmstens empfehlen. Etwas festere Treckingschuhe sind als Ausrüstung absolut ausreichend, notfalls gehen aber auch Chucks. 😉 Ihr solltet jedoch etwas mehr Zeit einplanen, als die 30 Minuten (die wir übrigens nicht ganz eingehalten haben) die wir hatten. Ich denke mit ca. 2 Stunden hat man genügend Zeit, um auch die spektakuläre Landschaft genießen zu können.

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3 Kommentare

  1. Hallo,
    danke für die ausführlichen Berichte! Wir planen gerade für diesen Sommer eine Mietwagenreise in Ecuador. Braucht man für die Strecke von Riobamba zu Carrel-Hütte einen Allrad-Fahrzeug?
    Vielen Dank schon mal für die Antwort!

    1. Gute Frage! Ich würde nach dem Prinzip „Haben ist besser als brauchen“ vorgehen. Panamericana & Co sind 1a ausgebaut, bei den Nebenstrassen wird es dünner. Ab dem Besucherzentrum fährt man ausschließlich auf einem unbefestigten Pfad (Asche/Geröll/Sand). Als wir unterwegs waren, war es komplett trocken und wir wären sicher auch was die Traktion betrifft mit einem normalen Wagen hoch gekommen. Wir haben jedoch massiv gemerkt, wie die Motorleistung in der Höhe in die Knie geht. Ich weiß nicht, ob ein beladener Kleinwagen mit kleinem Motor ausreichend Leistung hat.

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