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Einreiseanmeldung für Deutschland – meine Erfahrungen & Kritik

Seit dem 08.11.20202 steht unter www.einreiseanmeldung.de eine digitale Einreiseanmeldung für Deutschland für Rückkehr und Einreise aus Risikogebieten bereit. Da auch Costa Rica aktuell als Risikogebiet eingestuft wird, musste auch ich das Formular ausfüllen. Das habe ich natürlich ordnungsgemäß gemacht und mich dabei mehr als einmal gewundert.

Die Idee der digitalen Einreiseanmeldung für Deutschland finde ich super – die Umsetzung hingegen finde ich jedoch sehr fragwürdig. Auch halte ich es für den völlig falschen Gedanken, Rückkehrer von Flugreisen zu überwachen. Doch der Reihe nach.

Idee der digitalen Einreisekarte

Die Idee hinter der digitalen Einreisekarte ist, das Personen die aus Risikogebieten nach Deutschland einreisen oder rückreisen, besser von den Gesundheitsämtern erfasst und kontrolliert werden können. Wortwörtlich heisst es:

Zur Entlastung der Gesundheitsämter und zur Unterstützung der bestehenden Prozesse der Quarantäneüberwachung hat die Bundesregierung die digitale Einreiseanmeldung entwickelt, welche die bisherige papierbasierte Erfassung und Verarbeitung ersetzt. Reisende, die sich in den letzten zehn Tagen vor der Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten haben, müssen ab sofort die digitale Einreiseanmeldung ausfüllen.

Ich kann den Gedanken absolut nachvollziehen. Fast jedes Land in Südamerika hat vergleichbare Einreisekarten, um Daten über die Touristen zu sammeln. Unzählige habe ich davon schon ausgefüllt.

Keine offizielle Information über die Einreiseanmeldung für Deutschland

Die digitale Einreiseanmeldung wurde gerade da eingeführt, als ich ich Costa Rica unterwegs war. Berufsbedingt war ich natürlich auf dem Laufenden, da ich die Situation verfolgt habe. Hätte ich das nicht getan, hätte ich keine Info bekommen. Dabei wäre das so einfach gewesen:

  • beim Online-Check-In: vermutlich der schwierigste Weg – jedoch hätte man mich hier einfach auf die Einreiseanmeldung hinweisen können
  • im Flugzeug: Vor Corona wurde die Einreisekarten für Südamerika im Flugzeug verteilt und bei den Passkontrolle gesammelt. Mittlerweile müssen die Einreisekarte vorab digital ausgefüllt werden.
  • bei Ankunft am Flughafen: Auch hier hätte man alle Reisenden noch auf die Einreisekarten hinweisen können

Es ist jedoch nichts passiert. An keiner dieser Stellen gab es einen Hinweis auf die digitale Reiseanmeldung. Auch wurde sie am Flughafen nicht geprüft.

Digitale Einreiseanmeldung wird nicht verifiziert

Als ich meine Einreiseanmeldung ausgefüllt habe war ich überrascht, das die Daten in keinster Weise auf Plausibilität geprüft werden. Auch werden nur personenbezogene Daten abgefragt, die oftmals allgemein zugänglich sind. Beispiele:

  • Geographisch eigentlich unmögliche Einreisen sind im Formular möglich.
  • Pflichangaben der einreisenden Person sind nur: Name, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit und Telefonnummer
  • Die Quarantäneadresse kann die Privatadresse oder ein Hotel sein

Damit sind Flüchtigkeitsfehler beim Formular problemlos möglich. Ebenso lässt sich vielerlei Schabernack mit der Einreiseanmeldung treiben. Mal kur einige Formulare mit den Daten vom Stammtisch ausfüllen? Das ist möglich. Die ungeliebte Schwiegermutter in Quarantäne schicken? Auch das geht.

Daten werden an Gesundheitsämter übermittelt

Die Einreisedaten werden an die Gesundheitsämter übermittelt. Diese können die Quarantäne nur überwachen, wenn sie die Quarantäneadresse aufsuchen und klingeln. Da die Gesundheitsämter jedoch eh schon völlig überlastet sind, halte ich eine derartige Kontrolle für sehr unwahrscheinlich.

Kaum Coronainfektionen bei Reiserückkehrern

Während der ersten Welle gab es in der Tat eine Häufung von Coronainfektionen, die Reiserückkehrern zugeschrieben wurden. Das waren jedoch fast ausschließlich keine klassischen Urlaubsreisen, sondern Familienbesuche in Osteuropa. Ob diese Personengruppe eine digitale Einreiseanmeldung ausfüllt, bezweifle ich etwas. Wer sich bewusst einem Risiko aussetzt, wird auch bewusst die Quarantäne vermeiden. Auf klassische Urlaubs- und ganz besonders auch auf Fernreisen lassen bisher nur ganz wenige Infektionen zurückführen.

1 Infektion bei 27 Millionen Fluggästen

Der Weltluftfahrtverband IATA hat im Jahr 2020 nur 44 Fälle auf Infektionen im Flugzeug zurückführen können. Im selben Zeitraum sind 1,2 Milliarden Passagiere geflogen. Die Dunkelziffer dürfte höher sein, doch so die IATA: «Wir waren uns sehr klar, dass es deutlich mehr sein könnten. Auch wenn wir 90 Prozent daneben liegen, liegt die Zahl immer noch bei 1 zu 2,7 Millionen, was die meisten Menschen als niedriges Risiko bezeichnen würden»

Screenshots von der digitalen Einreiseanmeldung

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