Reiseberichte aus Kolumbien

Tour durch die Comuna 13 in Medellin

Der Wandel der in den letzten Jahren Medellin und das dortige Viertel Comuna 13 erfasst hat, hat etwas von einem Wunder an sich. Durch Pablo Escobars früheres Rauschgiftimperium war Medellin lange Zeit eine der gefährlichsten Städte der Welt, in Medellin war die Comuna 13 selbst für Kolumbianer eine Art no-Go-Area. 2011 gab es nur in der Comuna 13 ca. 200 Morde.

Blick über die Rolltreppen der Comuna 13 in Medellin
Blick über die Rolltreppen der Comuna 13 in Medellin

In den vergangenen 20 Jahren hat sich Medellin jedoch dank kluger und innovativer Stadtplanung regelrecht neu erfunden. Er wurde eine Metro im Stadtkern gebaut, Armenviertel wurden mit Seilbahnen besser angebunden und in der Comuna 13 wurde 2011 die längste Rolltreppe der Welt eingeweiht. 6 Elemente überwinden in ca. 6 Minuten 130 Höhenmeter, soviel wie ca. 28 Stockwerke. Die Rolltreppen sind sowohl für die Bewohner des Viertels, als auch für die immer größer werdende Zahl der Touristen kostenlos. 14 Helfer sind an den Rolltreppen im Einsatz und stehen auch gern für einen Plausch zur Verfügung. Auch (aber nicht nur) wegen dieser Maßnahmen wurde Medellin 2013 zu „innovativsten Stadt der Welt“ gekührt.

Die erste von sechs Rolltreppen in der Comuna 13 in Medellin
Die erste von sechs Rolltreppen in der Comuna 13 in Medellin

All dies konnte nur passieren, weil 2002 mit der Operación Orión eine der größten kolumbianischen Militäraktionenin der Comuna 13 durchgeführt wurde. Vier Tage lang durchkämmten Spezialeinheiten und Paramilitärs die schmalen Gassen. Bis heute ist die Aktion Thema der zahllosen Graffitis die überall zu finden sind und die Touristen aus der ganzen Welt anziehen.

Wer eine geführte Tour durch die Comuna 13 machen möchte, hat die Wahl zwischen zahllosen unterschiedlichen Anbietern, auch die Jugendlichen die für das Graffiti-Projekt verantwortlich sind bieten geführte Touren mit umfangreichem Hintergrundwissen an. Jedoch kann man sich auch problemlos auf eigene Faust fortbewegen, die Wandmalereien bestaunen und Rolltreppe fahren. Tagsüber dürfte aktuell das größte Risiko darin bestehen, das man versehentlich von einem Fußball getroffen wird, da auf jedem größeren Platz fleißig gekickt wird.

Graffiti in der Comuna 13
Graffiti in der Comuna 13

Doch so positiv die aktuelle Entwicklung der Comuna 13 in Medellin auch ist, die Spuren der düsteren Vergangenheit unter Pablo Escobár sind unübersehbar. Am gegenüberliegenden Berghang sieht man auf halber Höhe eine hellbraune Mülldeponie. Diego Fernando Murillo Bejanaro, ehemals einer der mächtigsten Anführer unter Pablo Escobár hat den Ort aktuell der Staatsanwaltschaft als Massengrab gezeigt. Bisher ist unbekannt, wie viele Leichen dort anonym und bis heute unentdeckt verscharrt wurden. Vermutlich wird das Rätsel nie gelöst, das bis heute ein LKW nach dem anderen Bauschutt über dem Grab ablädt.

Blick aus der Comuna 13 zu einem Massengrab in Medellin
Blick aus der Comuna 13 zu einem Massengrab in Medellin

 

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