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Medellin – es war einmal die gefährlichste Stadt der Welt

Gehen wir gedanklich 25 Jahre in der Geschichte von Medellin in die Vergangenheit, so ist „verruchter Moloch“ wohl noch die netteste Bezeichnung. Die damalige Hochburg vom Drogenboss Pablo Escobar war 1991 noch die Hauptstadt der Morde. In diesem Jahr wurden 6.500 Morde registriert, runtergerechnet sind das 381 Morde pro 100.000 Einwohnern, die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher gelegen haben. 2012 gab es in Deutschland 281 Morde, was etwa 2,8 Morden pro 100.000 Einwohnern entspricht….nur so als Vergleich.

Seilbahn Metro Cable in Medellin

Seilbahn Metro Cable in Medellin

Medellin heute: innovativer Geheimtipp (noch)

In den vergangenen Jahren hat sich Medellin jedoch um 180 Grad gedreht und ist heute eine der sichersten Großstädte in Südamerika. Die Betonung liegt hier allerdings selbstverständlich auf „Großstadt“ und „Südamerika“ . Nachts sollte man auch hier als Tourist besser auf ein Taxi zurückgreifen, manche Strassen und Stadtviertel sollte man besser meiden, Wertgegenstände wie Schmuck, Uhr und Kamera mit Vorsicht behandeln und wenn möglich im Hotel lassen. Hält man sich an diese Grundregeln, kann man die „Stadt des ewigen Frühlings“ und die offenen & freundlichen Kolumbianer ganz entspannt genießen.

Metrostation in Medellin

Metrostation in Medellin

Nachdem Pablo Escobar bei einer Polizeioperation erschossen und die Drogenkartelle großteils zerschlagen waren, wurde investiert: in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur. Das macht sich nun bezahlt, der Höhepunkt war die Ernennung Medellins als innovativste Stadt der Welt. Verliehen wird diese Auszeichnung vom renommierten Wall Street Journal, die Finalgegner waren Tel Aviv und New York. In meinen Augen ist besonders die herausragende Infrastruktur ein absolutes Plus und wird Medellin auch in Zukunft eine Spitzenposition garantieren. Die Metro (die Fahrt kostet nur wenige Pesos) muss sich in Sachen Pünktlichkeit nicht verstecken und ist definitiv sauberer als manche U-Bahn in Deutschland. Die Armenviertel/Slums an den Berghängen sind mit Seilbahnen ans Stadtzentrum angeschlossen. Die Fahrt ist im Metroticket inklusive und garantiert einen spektakulären Blick über die Stadt. In der Comuna 13 gibt es zusätzlich Rolltreppen, um den Höhenunterschied besser bewältigen zu können.

Blick von der Comuna 2 an der Biblioteca Parque España vorbei über Medellin

Blick von der Comuna 2 an der Biblioteca Parque España vorbei über Medellin

Ein weiterer Punkt in der Stadtentwicklung von Medellin ist, das wichtige öffentliche Gebäude wie beispielsweise die spanische Bibliothek „Biblioteca Parque España“ bewusst nicht ins Zentrum gebaut werden. Das Gebäude sieht zwar martialisch aus, mit Parkanlagen und Grünflächen lädt es jedoch zum verweilen und entspannen ein. Im Stadtzentrum wird zusätzlich gerade ein großer neuer Park entlang des Flusses mit Radwegen und vielem mehr gebaut.

Medellin ein Geheimtipp für digitale Nomaden

Wie es der Zufall so will, fand ich, während ich hier Tippe und Bilder raussuche, einen spannenden Artikel in meinem RSS-Reader. Offenbar entwickelt sich Medellin gerade auch zum Hotspot für digitale Nomaden (das sind Verrückte Lebenskünstler Selbstständige, die alle paar Monate woanders auf der Welt arbeiten). Die kolumbianische Lebensfreude, gepaart mit der guten Infrastruktur, niedrigen Preisen und zahlreichen, stabilen WLAN-Hotspots gibt hier den Ausschlag.

In der Comuna 2 transportieren Pferde Baumaterialien

In der Comuna 2 transportieren Pferde Baumaterialien

Doch auch wenn gerade extrem schnelle Fortschritte gemacht werden, bleibt der kolumbianische/südamerikanische Charme glücklicherweise erhalten. Ich komme ganz bestimmt wieder, auch wenn Medellin dann wahrscheinlich kein Geheimtipp mehr ist.

 

 

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